Integrationsvereinbarung

Ziel der Vereinbarung

Die Integrationsvereinbarung (IV) 2017 dient der Integration rechtmäßig im Bundesgebiet niedergelassener Drittstaatsangehöriger und zielt darauf ab, sie zur Teilnahme am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben in Österreich zu befähigen. Im Rahmen dieser Vereinbarung sind Drittstaatsangehörige verpflichtet, Kenntnisse der deutschen Sprache sowie der demokratischen Ordnung und der daraus ableitbaren Grundprinzipien zu erwerben. Sie betrifft Drittstaatsangehörige, denen ab dem 1. Oktober 2017 erstmalig ein Aufenthaltstitel erteilt wurde. Mit der Unterzeichnung der IV 2017 verpflichten sich Drittstaatsangehörige, innerhalb von 2 Jahren ab erstmaliger Erteilung des Aufenthaltstitels das Modul I der Integrationsvereinbarung zu erfüllen.

 Einfache Deutschkenntnisse zur elementaren Sprachverwendung (Niveau A1) werden bereits vor der Zuwanderung für die Erteilung bestimmter Erstaufenthaltstitel vorausgesetzt, dies ist aber kein Teil der Integrationsvereinbarung. Siehe Informationen zu "Deutsch vor Zuwanderung" auf der Seite des Bundeskanzleramts, HELP.gv.at. Dieser Nachweis (Sprachdiplom oder Kurszeugnis einer durch die Verordnung bestimmten Einrichtung) darf bei Stellung des Erstantrags nicht älter als ein Jahr sein.


Im Rahmen der Integrationsvereinbarung 2017 gibt es zwei Module, welche nachfolgend beschrieben werden. Weiter unten finden Sie eine Beschreibung zu der Übergangsbestimmung zwischen der Integrationsvereinbarung 2011 und der Integrationsvereinbarung 2017 hinsichtlich der beiden Module.


Modul 1:
vertiefte elementare Sprachverwendung (A2 GER)

Drittstaatsangehörige, denen ab dem 1. Oktober 2017 erstmalig ein Aufenthaltstitel erteilt wurde, sind zur Erfüllung des Moduls I der Integrationsvereinbarung gemäß den Bestimmungen des IntG (=Integrationsgesetz) und der IV-V (=Integrationsvereinbarungs-Verordnung) binnen zwei Jahren verpflichtet. Die Integrationsprüfung des Moduls 1 der Integrationsvereinbarung wird bundesweit nach einem einheitlichen Maßstab durchgeführt. Sie umfasst Sprach- und Werteinhalte.

Ausnahmen

Von der Erfüllung ausgenommen sind Drittstaatsangehörige, die 

  • zum Ende des Erfüllungszeitraumes unmündig sein werden
  • denen aufgrund ihres physischen oder psychischen Gesundheitszustands die Erfüllung nicht zugemutet werden kann (dies ist durch ein amtsärztliches Gutachten nachzuweisen) 
  • eine schriftliche Erklärung abgeben, dass die Dauer ihres Aufenthalts in Österreich 24 Monate innerhalb von drei Jahren nicht überschreiten soll (in diesem Fall wird unwiderruflich auf die Stellung eines weiteren Verlängerungsantrags nach dem ersten Verlängerungsantrag verzichtet.

Nachweis

Das Modul 1 der Integrationsvereinbarung ist erfüllt, wenn der Drittstaatsangehörige

  • einen Nachweis des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) über die erfolgreiche Absolvierung der Integrationsprüfung vorlegt
  • einen gleichwertigen Nachweis über die erfolgreiche Absolvierung der Integrationsprüfung vorlegt
  • über einen Schulabschluss verfügt, der der allgemeinen Universitätsreife im Sinne des § 64 Abs. 1 Universitätsgesetz 2002, BGBl. I Nr. 120/2002 oder einem Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule entspricht
  • einen Aufenthaltstitel „Rot-Weiß-Rot – Karte“ besitzt oder
  • als Inhaber eines Aufenthaltstitels „Niederlassungsbewilligung – Künstler“ gemäß § 43a NAG eine künstlerische Tätigkeit ausübt.

Der Nachweis über die Erfüllung des Moduls 1 darf zum Zeitpunkt der Vorlage im Rahmen eines Verlängerungsantrags nicht älter als zwei Jahre sein.


Modul 2
selbständige Sprachverwendung (B1 GER)

Drittstaatsangehörige müssen mit der Stellung eines Antrags auf Erteilung eines Aufenthaltstitels "Daueraufenthalt EU" die Erfüllung des Moduls II der Integrationsvereinbarung erfüllt haben. Die Integrationsprüfung des Moduls II der Integrationsvereinbarung wird bundesweit nach einem einheitlichen Maßstab durchgeführt. Sie umfasst Sprach- und Werteinhalte.  

Ausnahmen

  • Dies gilt nicht für Drittstaatsangehörige, die zum Zeitpunkt der Antragstellung minderjährig sind und noch nicht der allgemeinen Schulpflicht unterliegen,
  • denen auf Grund ihres physisch oder psychisch dauerhaft schlechten Gesundheitszustands die Erfüllung nicht zugemutet werden kann (dies ist durch ein amtsärztliches Gutachten nachzuweisen).

Nachweis

Das Modul II ist erfüllt, wenn Drittstaatsangehörige 

  • einen Nachweis des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) über die erfolgreiche Absolvierung der Integrationsprüfung vorlegen 
  • einen gleichwertigen Nachweis über die erfolgreiche Absolvierung der Integrationsprüfung vorlegen
  • minderjährig sind und im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht eine Primarschule besuchen oder im vorangegangenen Semester besucht haben
  • minderjährig sind und im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht eine Sekundarschule besuchen und die positive Beurteilung des Unterrichtsgegenstands "Deutsch" durch das zuletzt ausgestellte Jahreszeugnis oder Schulnachricht nachweisen
  • einen mindestens fünfjährigen Besuch einer Pflichtschule in Österreich nachweisen und das Unterrichtsfach "Deutsch" positiv abgeschlossen haben 
  • einen positiven Abschluss des Unterrichtsfachs "Deutsch" nach einem mindestens vierjährigen Unterricht in der deutschen Sprache an einer ausländischen Sekundarschule nachweisen 
  • über eine Lehrabschlussprüfung oder eine Facharbeiterprüfung verfügen oder
  • mindestens zwei Jahre an einer postsekundären Bildungseinrichtung inskribiert waren, ein Studienfach mit Unterrichtssprache Deutsch belegt haben und in diesem einen entsprechenden Studienerfolg im Umfang von mindestens 32 ECTS-Anrechnungspunkten  (16 Semesterstunden) nachweisen bzw. über einen entsprechenden postsekundären Studienabschluss verfügen.


Übergangsbestimmung für Modul 1

Die Integrationsvereinbarung 2017 gilt für Personen, denen der Aufenthaltstitel ab dem 1. Oktober 2017 erteilt wurde. Dieser Aufenthaltstitel verpflichtet zur Erfüllung des Moduls 1 der Integrationsvereinbarung 2017.

Personen, denen der Aufenthaltstitel vor dem 1. Oktober 2017 erteilt wurde, sind ebenso zur Erfüllung des Moduls 1 der Integrationsvereinbarung verpflichtet. Jedoch gilt für diesen Personkreis eine Übergangsbestimmung, die bis zum 30. September 2020 reicht. D.h. Personen, denen der Aufenthaltstitel vor dem 1. Oktober 2017 erteilt wurde, können das Modul 1 sowohl nach der neuen Integrationsvereinbarung 2017 als auch nach der (alten) Integrationsvereinbarung 2011 erfüllen.

Nach dem 30. September 2020 ist die Erfüllung des Moduls 1 der Integrationsvereinbarung ausschließlich nach den Regelungen der Integrationsvereinbarung 2017 möglich.

Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Behörde.


Übergangsbestimmung für Modul 2

Modul 2 der Integrationsvereinbarung 2017 muss von jenen Personen erfüllt sein, die ab dem 1. Oktober 2017 einen Antrag auf Erteilung des Aufenthaltstitels "Daueraufenthalt-EU" stellen. Der ÖIF ermöglicht bestimmten Personen, die einen "Daueraufenthalt-EU" oder die Verleihung der Staatsbürgerschaft anstreben und im Jahr 2017 bereits ein Sprachzertifikat in Österreich erworben haben, eine Förderung der Integrationsprüfung.  

Wurde der Antrag auf Erteilung des Aufenthaltstitels "Daueraufenthalt-EU" oder auf Verleihung der Staatsbürgerschaft vor dem 1. Oktober 2017 gestellt, so wird das Verfahren nach den vor diesem Zeitpunkt geltenden Bestimmungen zu Ende geführt.

Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Behörde.

Integrationsvereinbahrung

Info Diese Auskünfte stellen keine Rechtsinformation dar. Falls Sie jene Gesetzesstellen nachlesen möchten, auf die sich die Informationen beziehen, besuchen Sie bitte die Internetseite des Bundeskanzleramts


Rot-Weiß-Rot-Karte

 Die Rot-Weiß-Rot-Karte wird für zwölf Monate ausgestellt und berechtigt zur befristeten Niederlassung und zur Beschäftigung bei einem/einer bestimmten Arbeitgeber/in. Folgende Personen können eine Rot-Weiß-Rot-Karte erhalten:

  • Besonders Hochqualifizierte
  • Fachkräfte in Mangelberufen
  • Sonstige Schlüsselkräfte
  • Studienabsolvent/inn/en einer österreichischen Hochschule
  • Selbstständige Schlüsselkräfte


Integrationsvereinbahrung

Info "Deutsch in Österreich" bietet ÖIF Integrationskurse und Integrationsprüfungen an. Wenn Sie vor dem 1.10.2017 einen Aufenthaltstitel erhalten haben, wird für die Erfüllung des Moduls I die ÖSD-Prüfung auf der Stufe A2 (ohne Werteteil) anerkannt. Diese Übergangsregelung gilt bis 30. September 2020.